Das Leben von Menschen mit Beeinträchtigung während der NS-Zeit
Mit dem Projekt „Erinnern für die Zukunft“ widmet sich die Lebenshilfe Bad Dürkheim einem oft übersehenen Kapitel deutscher Geschichte: dem Schicksal von Menschen mit Behinderung und psychischen Krankheiten im Nationalsozialismus. Wir beleuchten das Leben von Opfern von NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisation.
Unser Ziel ist es, aufzuklären, zu erinnern und damit Verantwortung für eine vielfältige & solidarische Gesellschaft zu übernehmen.
Warum ist Erinnern heute so wichtig?
„Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ (George Santayana)
Der 2. Weltkrieg und die damit einhergehenden Verbrechen sowie das Leid der Menschen zu dieser Zeit stehen fest im Lehrplan der Schulen. Im Fernsehen gibt es zahlreiche Dokus zu dem Thema und jährlich werden Gedenktage begangen. Wir erinnern uns also, oder?
Manche politischen Lager haben eine klare Antwort, sind der Meinung, dass die Erinnerungskultur in Deutschland zu prominent ist fordern eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“
Eine Umfrage der Jewish Claims Conference aus dem Januar 2025 zeigt jedoch deutlich, dass politische Bildungsarbeit zur NS-Zeit keineswegs zu prominent ist. Von den Befragten Deutschen zwischen 18-29 Jahren konnten 18% kein Konzentrationslager nennen, 18% gehen davon aus, dass weniger als zwei Millionen jüdische Menschen ermordet (es waren bis zu 6 Millionen). 12% geben an, vor der Umfrage noch nie vom Holocaust gehört zu haben oder sich nicht sicher zu sein, ob sie schon einmal davon gehört haben.
Geschichte ist keine Vergangenheit, kann und darf niemals vergessen werden, Geschichte formt Realität, Gegenwart und Zukunft. Wenn es schon beim Holocaust solch gravierende Wissenslücken gibt, wird der Status Quo des Wissens zu Themen wie „Euthanasie“ und Zwangssterilisation wohl noch ausgeprägter sein.
Hinzu kommt, dass Menschen mit Beeinträchtigung, im Rahmen der Anerkennung von „Euthanasie“-Opfern, erst im Januar 2025 als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt wurden. Das zeigt, dass das Thema nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Politik bisher nicht die nötige Aufmerksamkeit bekommen hat.
Teilen Sie Ihre Geschichte
Sie kennen die Geschichte eines Opfers der Zwangssterilisation oder „Euthanasie“ oder können vom Leben von Menschen mit Behinderung zwischen 1945-1975 aus dem Raum Bad Dürkheim berichten? Dann melden Sie sich bei der Projektkoordinatorin Lea Sümeghy Becker und helfen Sie, die Erinnerung an die Verbrechen zu erhalten. Sie können ihre Geschichte auch gerne anonym teilen.
Ausstellung „Weil wir anders waren“
Die Ausstellung „Weil wir anders waren“ erinnert an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen aus der Pfalz, die während der Zeit des Nationalsozialismus entrechtet, zwangssterilisiert oder im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“-Programme ermordet wurden.
Anhand bewegender Lebensgeschichten, unter anderem von Lena H., Albert Tillmann und Rosa Wenz, macht die Ausstellung deutlich, wohin Ausgrenzung und Menschenverachtung führen können.
Entwickelt wurde das Projekt von einem Team aus Menschen mit und ohne Beeinträchtigung – in Zusammenarbeit mit Fachleuten, Archiven und Angehörigen der Opfer.
Die Lebenshilfe Bad Dürkheim e. V. zeigt die Ausstellung anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens als Zeichen des Gedenkens – und als Appell, die Würde und Rechte von Menschen mit Beeinträchtigungen auch heute zu schützen und zu stärken.
Die Ausstellung kann als Roll-Up Ausstellung ausgeliehen werden. Mehr Informationen zum Leihen der Ausstellung finden Sie unten.
Als nächstes ist die Ausstellung vom 08.-30. August 2026 in Bockenheim im Blauen Rathaus zu sehen.
Wo findet die Ausstellung statt?
Als nächste Station ist die Ausstellung „Weil wir anders waren“ in Bockenheim im Blauen Rathaus vom 08.-30.08.2026 zu sehen.
Führungstermine:
So, 09.08.26, 11:00 Uhr
Do, 20.08.26, 18:00 Uhr
Sa, 22.08.26, 14:00 Uhr
Do, 27.08.26, 18:00 Uhr
Um Anmeldung unter l.becker@lebenshilfe-duew.de wird gebeten. Die Führungen sind auf 20 Personen pro Gruppe begrenzt. Schulklassen oder Privatgruppen ab 10 Personen können auch private Führungen zu anderen Zeiten buchen.
Informationen zur Barrierefreiheit
Bitte informieren Sie sich auf der Website des jeweiligen Leihnehmers über die Barrierefreiheit der Ausstellungsräume.
Die Ausstellungstexte sind in leichter und schwerer Sprache abgedruckt.
Die Sprache der Führungen wird leicht an die Gruppe angepasst.
Ein Audioguide ist in leichter und komplexer Sprache vor Ort erhältlich. Er beinhaltet keine weiteren Informationen, es werden lediglich die Tafeln vorgelesen.
Begleitprogramm
Sa, 08.08.2026 // 15:00 Uhr
Eröffnung Ausstellung „Weil wir anders waren“ in Bockenheim
Blaues Rathaus, Leininger Ring 62, 67278 Bockenheim
Fr, 14.08.2026 // 19:00 Uhr
Film „Nebel im August“
Blaues Rathaus, Leininger Ring 62, 67278 Bockenheim
Der Film erzählt die Geschichte des 13-jährigen Ernst Lossa, der in der NS-Zeit in einer Heil- und Pflegeanstalt war, basierend auf einer wahren Geschichte. FSK 12. Ca. 120 Minuten.
So, 23.08.2026 // 11:00 Uhr
Vortrag „Georg Renno“
Blaues Rathaus, Leininger Ring 62, 67278 Bockenheim
Georg Renno war als Stellvertretender Leiter der Tötungsanstalt Hartheim an 30.000 Morden an Menschen mit Beeinträchtigung beteiligt. Trotzdem wurde er nie verurteilt und fühlte sich bis zu seinem Tod nicht schuldig, leugnete sogar die Gaskammern. Seinen Lebensabend verbrachte er in Bockenheim an der Weinstraße, wo er auch beerdigt wurde. Unser inklusives Team gibt ihnen im Vortrag einen Einblick in das Leben und die Verbrachen von Georg Renno. Die Veranstaltung dauert ca. 60 Minuten.
Do, 25.02.2027
Vortrag „Albert Tillmann – aus dem Leben eines Bad Dürkheimer Opfers der NS-‚Euthanasie‘ “
Haus Catoir Bad Dürkheim, Römerstraße 20/22, 67098 Düw
Im Vortrag wird Albert Tillmanns Leben von der Geburt bis zur Deportation und Ermordung beleuchtet. Die Veranstaltung dauert ca. 60 Minuten. Nähere Informationen folgen.
Digitaler Begleitband
Hier können Sie den digitalen Begleitband zur Ausstellung „Weil wir anders waren“ downloaden.
Podcast-Folge zur Ausstellung
Hier geht’s zur Folge!
Wanderausstellung
Den aktuellen oder kommenden Standort der Ausstellung finden Sie unter dem Punkt „Wo findet die Ausstellung statt?“.
Informationen zum Ausleihen der Ausstellung finden Sie weiter unten auf dieser Seite.
Roll-Up Ausstellung „Weil wir anders waren“ ausleihen
Die Ausstellung „Weil wir anders waren“ kann in Form von Tafeln oder als Roll-Up Ausstellung ausgeliehen werden.
Unsere Ausstellung kann von kommunalen Einrichtungen, Vereinen, Museen, Bildungseinrichtungen, Bibliotheken und Vereinen kostenlos ausgeliehen werden.
Nach Absprache übernimmt das inklusive Team der Lebenshilfe Bad Dürkheim aus Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gerne Führungen.
In unserer Broschüre zur Wanderausstellung oder im FAQ erhalten Sie einige Informationen zum Ausleihen der Ausstellung.
Sie haben noch mehr Fragen oder wollen sich ein Bild der Ausstellung verschaffen? Projektleiterin Lea Sümeghy Becker gibt Ihnen gerne weitere Auskünfte unter l.becker@lebenshilfe-duew.de oder unter 06322/938-199.
Vernetzungstreffen: Aufarbeitung der NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisation im Kreis Bad Dürkheim
Die Lebenshilfe Bad Dürkheim e.V. hat mit ihrer Forschung und der Ausstellung „Weil wir anders waren“ einen wichtigen ersten Schritt unternommen, um die Geschichte der NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisation in unserer Region aufzuarbeiten. Dennoch gibt es noch viel zu entdecken, zu erforschen und zu dokumentieren.
Wir möchten daher ein Vernetzungstreffen für alle Interessierten anbieten – egal, ob Sie bereits in der Heimatforschung zu diesem Thema aktiv sind oder sich neu engagieren möchten. Auch Forschende und Vertreter*innen von Initiativen der Erinnerungskultur sind herzlich eingeladen.
Ziel des Treffens:
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Vernetzung von Forschenden, Vereinen und Interessierten
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Austausch über Erfahrungen, Ergebnisse und Ressourcen
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Möglichkeit zur Gründung einer Arbeitsgruppe NS-Geschichte mit Schwerpunkt „Euthanasie“ und Zwangssterilisation im Kreis Bad Dürkheim
Termin: Freitag, 04.09., 18:00 Uhr
Ort: Speisesaal der Lebenshilfe Bad Dürkheim
Es ist kein Vorwissen nötig – wer Interesse hat, sich zu engagieren oder seine Erfahrungen zu teilen, ist herzlich willkommen.
Projekt-Newsletter
Im Projekt-Newsletter informieren wir Sie über alle Termine rund um das Projekt „Erinnern für die Zukunft“, wie Führungen, Begleitveranstaltungen und Öffnungszeiten.
Weitere Projekt-Insights
Projekt-Entwicklungs-Team
Seit Mitte 2024 arbeitet das Team am Projekt „Erinnern für die Zukunft“. Zum Team gehören Wilfried Würges, ehemaliger Stellvertretender Schulleiter der Siegmund-Crämer-Schule, sowie seine Frau Siglinde Würges, ebenfalls ehem. Förderschulpädagogin. Ihr Aufgabenschwerpunkt liegt vor allem in der Recherche, sie haben bereits zahlreiche Ausstellungen und Vorträge besucht. Zudem recherchieren Sie in archivierten Akten und Zeitungen. Matthias Neubert, früherer Leiter des Sozialen Dienstes der Dürkheimer Werkstätten und Ines Wietschorke, ehemalige Leiterin der Tagesförderstätte, befassen sich vor allem mit den Anfängen unserer Lebenshilfe Bad Dürkheim. Darüber hinaus entwickeln sie Konzepte, wie wir Menschen mit Behinderung aktiv in die Entstehung der Ausstellung einbeziehen können aber auch, wie wir dieser Zielgruppe das Thema Euthanasie in der NS-Zeit im Rahmen der politischen Aufklärungsarbeit näher bringen können. Eichfelders befassen sich als Designer*innen mit viel Erfahrung im Museumsbereich mit der gestalterisches Umsetzung der Ausstellungsinhalte. Beate Kielbassa begleitet das Team im Rahmen ihrer Leitungsfunktion Öffentlichkeitsarbeit; nach Anstoß durch die Geschäftsführung realisierte sie dieses über Projektförderungen. Lea Becker übernimmt die Projektkoordination, worunter die Kommunikation im Team wie auch mit externen Expert*innen und Archiven sowie die thematische Recherche fällt.
Museums-Begleitungs-Team
Während die Ausstellung läuft, können Gruppen und Schulklassen Führungen durch die Ausstellung „Weil wir anders waren“ buchen. Die Führungen werden von unserer Gruppe aus Begleitungen durchgeführt, welche aus einem Team aus Menschen mit und ohne Beeinträchtigung besteht. Teil der Begleitungs-Gruppe sind Peter Stabenow, Ines Wietschorke, Siglinde Würges, Wilfried Würges, Sven Herkel, Benjamin Pfund, Fee-Tanja Pachl, Matthias Neubert, Johannes Instinsky und Lea Sümeghy Becker.
Seit Anfang Oktober trifft sich die Gruppe zu regelmäßigen Schulungen, in denen sie mehr über die Themen NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisation lernen, Biografien von regionalen Opfern erarbeiten und üben, wie man eine Museums-Führung hält.
Die Museums-Begleitungen bei ihrem Besuch im Stadtmuseum-Bad Dürkheim am ersten Schulungstag.
Einblick in die Ausstellungsräume
Im kurzen Video erhalten Sie einen Einblick, wie die Ausstellung im Stadtmuseum Bad Dürkheim als Tafel-Ausstellung aufgebaut war.
Das Projekt in leichter Sprache
Ausstellung und Führung
Im Projekt gibt es eine Ausstellung.
Die Ausstellung heißt „Weil wir anders waren“.
In der Ausstellung geht es um Menschen mit Behinderungen
und Menschen mit psychischen Krankheiten aus der Pfalz.
Die National-Sozialisten habe gesagt:
Menschen mit Beeinträchtigung gehören nicht zur Gesellschaft.
Sie wurden zwangs-ste-ri-li-siert und getötet.
Ein Mensch, dem das passiert ist, war Albert Tillmann.
Die Ausstellung erzählt von ihm.
Und von anderen,
denen das passiert ist.
Ein Team aus Menschen mit und ohne Behinderung hat die Ausstellung gemacht.
Dabei halfen Fach-Leute und Angehörige.
Die Lebenshilfe Bad Dürkheim e.V. zeigt die Ausstellung zum 60. Geburtstag.
Als Zeichen sich zu erinnern:
Alle Menschen sind gleich viel wert.























